Warum arbeiten Ihre Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen? Wegen der guten Bezahlung? Dann richten Sie sich direkt darauf ein, dass Sie entweder noch einiges mehr bieten oder mit einer hohen Fluktuation rechnen müssen. Mit “mehr” meine ich dabei nicht “mehr Geld”.
Ich habe schon einige Unternehmen erlebt, die eine bemerkenswert demotivierte, aber hochbezahlte Mannschaft hatten. Die Mitarbeiter waren bequem geworden und haben ihre Unternehmen nicht freiwillig verlassen, weil niemand “draußen” ihre hohen Gehälter gezahlt hätte. Vorsicht also mit “Geld” als einzigem Differenzierungsfaktor für Ihr Unternehmen.
Dass Geld auch als Motivation nichts taugt, ist hier bereits hinlänglich diskutiert worden. Die angemessene Bezahlung für die erbrachte Leistung ist ein Hygienefaktor. Die Bezahlung muss stimmen, darf gut sein, auch sehr gut, aber sie muss immer im Verhältnis zur Leistung stehen.
Wie steht es mit folgenden fünf Faktoren, die unserer Erfahrung zufolge ein Unternehmen ausmachen, bei Ihnen?
1. Arbeitsumfeld
Wie gut ist das Arbeitsumfeld für Ihre Mitarbeiter? Verfügen Ihre Mitarbeiter über die erforderlichen technischen und organisatorischen Hilfsmittel, die auf neuem (nicht unbedingt dem allerneuesten) Stand sind? Legen Sie Wert auf ein ergonomisches Arbeitsumfeld? Was tun Sie dafür? Wie schaut es mit der Arbeitssicherheit aus? Wie attraktiv sind Ihre Büroräume?
2. soziale Kontakte
Wie gerne arbeiten Ihre Mitarbeiter miteinander? Es ist völlig klar, dass nicht jeder mit jedem “gut kann”, aber es sollte schon ein Umfeld existieren, in dem sich auch soziale Kontakte, möglicherweise sogar außerhalb der Arbeit, entwickeln können. Sprechen Ihre Mitarbeiter miteinander über Privates? Gibt es das “Teeküchengespräch”? Lachen Ihre Mitarbeiter miteinander? All dies sind Faktoren, die das soziale Miteinander stärken.
3. Würdigung
Werden Ihre Mitarbeiter hinreichend gewürdigt? Auch hier: Es geht nicht darum, permanent durch den Betrieb zu wandeln, mit dem Ziel der Würdigung. Es geht aber sehr wohl darum, gute Leistungen anzuerkennen. Und im Übrigen geht es auch darum, schlechte Leistungen angemessen zu kritisieren, was auch eine Form der Würdigung ist, wenn es wertschätzend ausgeführt wird. Erkennen Ihre Mitarbeiter gegenseitig an, welche Leistung von welchem Teammitglied erbracht wird? Würdigung ist kostenlos und kann enorm vieles bewirken.
4. Verantwortungsübernahme und Gestaltungsspielraum
Erhalten Ihre Mitarbeiter Wachstumschancen angeboten? Wie viel Verantwortung sind Sie bereit, abzugeben? Wer darf wann wachsen? Trauen Sie sich, Mitarbeitern eine sehr fordernde Aufgabe zu geben, an der Ihnen etwas liegt, deren Resultat Ihnen also keineswegs gleichgültig ist? Wann darf eigentlich wer was tun? Befürworten Sie schnelle Entscheidungen, auch wenn sie sich nachher als falsch herausstellen? Oder ist ihre Maxime “Absicherung”? Sie erkennen Menschen am besten dann, wenn Sie ihnen Verantwortung übergeben.
5. Sinn und Inhalt der Arbeit
Ist Ihren Mitarbeitern klar, warum sie tun, was sie tun? Arbeiten Ihre Mitarbeiter an einem großen Ganzen? Oder sind die Arbeiten fragmentiert und passen aus Mitarbeitersicht nicht recht zusammen? Arbeiten Ihre Mitarbeiter Aufgaben ab, oder sorgen Sie persönlich für einen Gesamtzusammenhang?
Angesichts dieser fünf wesentlichen Aspekte, die erfolgreiche Unternehmen von weniger erfolgreichen trennen, rückt Geld – es sei hier nochmals erwähnt, dass die Bezahlung natürlich stimmen muss – in den Hintergrund. Anderenfalls wäre es zum Beispiel auch nicht erklärbar, dass Hochleistungsträger, die in der freien Wirtschaft das Dreifache verdienen könnten, in Non-Profit-Unternehmen arbeiten. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.
Wie, also, ist Ihr Unternehmen bezüglich der fünf Aspekte aufgestellt? Diese fünf Aspekte entscheiden maßgeblich über die Bereitschaft Ihrer Organisation, zu wachsen …
Ihr Guido Quelle
(c) 2012, Prof. Dr. Guido Quelle, Mandat Managementberatung GmbH
Ausgezeichnete Fragen, ich nehme an, Sie beziehen sich auf den Beitrag im Schweizerischen KMU-Magazin, neueste Ausgabe.
1. “at your side” ist keine Wertaussage, weil sie kein Resultat enthält. Mandat: “Wir unterstützen Unternehmen dabei, profitabel zu wachsen” ist eine Wertaussage. Der Klient ist nach einem Projekt mit uns profitabel gewachsen, oder es sind die Voraussetzungen für profitables Wachstum (wieder) geschaffen. Wie geht es dem Kunden nachher besser als vorher? – das ist die Frage, die eine Wertaussage beantworten muss. In Kürze.
2. In Ihrem Fall ist die Unternehmensmarke führend, weil sich alle Produkte an der Unternehmensmarke messen lassen müssen. Bei Apple ist dies zum Beispiel genauso, obwohl hier bereits eine Differenzierung eingetreten ist (iPhone, iPad, iXxxxx). Aber sind alles Apple-Produkte. Lufthansa ist beispielsweise anders: Mit Lufthansa, Eurowings, Germanwings, Swiss und anderen Marken ist Lufthansa Dachmarke.
Beantwortet das Ihre Fragen?
Kommentar by Guido Quelle — 13. Mai 2013 @ 13:45
Hallo Guido, in ihrem Artikel ‘Die Marke als Basis für profitables Wachstum’ erwähnen Sie auch die Wichtigkeit und Schaffung der Wertaussage. Dazu eine Frage: unser Unternehmens-Leitspruch heisst ‘at your side’ – ist dies nun wirklich ein Leitspruch oder eine Wertaussage oder weder noch….??
Eine weitere Frage noch zum Thema MARKE: Ich arbeite bei der Brother Schweiz AG. Wir sind eine Europäische Vertriebs- und Marketing Niederlassung und vertreiben nur Brother Produkte. Sprechen wir somit bei Produkt- oder Dienstleistungsmarke automatisch auch die Unternehmens-Marke an? Was ich damit anspreche, ist, dass mir in unserem Fall der Unterschied von der Produktmarke versus Unternehmensmarke schwer fällt…..
Besten Dank und freundliche Grüsse, Dion Wawrzyn
Kommentar by Dion Wawrzyn — 13. Mai 2013 @ 10:03
“… und mehr” bedeutet, dass das Unternehmen tatsächlich keine (!) Ahnung hat, welchen Wert es schafft. Es könnte auch sagen: “Wir sind Spezialisten für alles” – das ist ebenso unsinnig. Oder “undsoweiter”. Oder “oder so”. Bei manchen ist es allerdings besser, sie schreiben “und mehr”, als dass sie alles ausschreiben, was sie meinen, zu tun, dann wäre der Laster nämlich endgültig vollgeschrieben.
Bis bald … und mehr – oder so.
Kommentar by Guido Quelle — 7. November 2012 @ 12:07
Lieber Guido,
DANKE, DANKE für diesen Beitrag, dem (fast) nichts hinzuzufügen ist. Ich möchte noch gerne die Erweiterung durch eine “Nicht-festlegen-wollen-Aussage” in einem Slogan ergänzen.
Oft lese ich “Kompetenz am Bau … und Mehr”, oder “IT-Lösungen … und Mehr”.
Dieses “… und Mehr” spiegelt für mich im Slogan auf völlig absurde Weise ein undifferenziertes Leistungsangebot. Kein Kunde kann wissen, was sich dahinter verbirgt.
Toll …. und Mehr!
Kommentar by Martin Gierse — 7. November 2012 @ 12:00